Kanada Tagebuch: 07.08.2010, Kamloops, Paul Lake Provincial Park

Heute wollten wir eine etwas längere Etappe zurücklegen, um den Rockies ein gutes Stück näher zu kommen. Im Reiseführer steht nichts besonderes zu Kamloops, außer, dass es sich in einer wüstenähnlichen Gegend befinden soll und dass man sein Lager lieber im Paul Lake Provincial Park aufschlagen sollte, als in der Stadt selbst.

Die Gegend ist in der Tat seltsam. War man vorher noch in grünen Wäldern unterwegs, hat man plötzlich das Gefühl, oberhalb der Baumgrenze zu wandeln. Dabei sind wir gar nicht hoch – das GPS zeigt Werte von unter 400 Metern an. Zwischendurch hat man den Eindruck, als würden jeden Moment Winnetou und Old Shatterhand auf ihren Pferden vorbei galoppieren. So habe ich mir immer die Landschaft in den Karl May Geschichten vorgestellt.

Gleich kommt Winnetou...

Wir sind froh, diese Route gewählt zu haben. Auch wenn der Weg an Yale vorbei der längere ist, bietet er doch dem Auge reichlich Abwechslung. Wir fahren nämlich am Fraser River entlang – benannt nach dem Entdecker Fraser, der die Gegend im 18. Jahrhundert erkundet hat. Fraser war wohl auch einer der ersten Weissen, der Hells Gate gesehen hat. Eine Engstelle des Fraser River, durch den sich die Wassermassen hinunter und die Lachse hinauf pressen. Fraser war damals der Meinung, in den Schlund der Hölle geblickt zu haben, so beeindruckt war er von den tosenden Wassermassen.

Heute ist Hells Gate eine Touristenfalle aller ersten Ranges. Man kann mit einer Gondelbahn hinab in die Schlucht fahren und sich die Stelle aus der Nähe ansehen. Natürlich gibt es dort die obligatorischen Souvenirs, Informationstafeln und ein Cafe. Zugegeben – die Eis Portionen waren schon olympisch.

Eine Sache gefällt mir immer wieder in Länder wie Kanada oder Australien und das ist die relativ kurze Geschichte der Entdeckung und Erforschung dieser Länder. Es ist geschichtlich gesehen noch gar nicht so lange her, dass Kartographen und Prospektoren durch diese Landstriche gezogen sind. Und so ist auch die Geschichte von Hells Gate schnell erzählt, aber dadurch nicht minder interessant.

Für den Bau der Eisenbahnen wurden teilweise die Berghänge gesprengt, um der Trasse Platz zu machen. Bei einer solchen Sprengung wurde ein Bergrutsch ausgelöst, der sich ins Flussbett ergoss und die Engstelle noch enger werden liess. Durch die Gesteinsmassen wurden nun die Wanderwege der Lachse zu ihren Laichgebieten massiv eingeschränkt, so dass mit erheblichem Aufwand Lachstunnel gebaut wurden, um den Fischen den Weg durch das Hells Gate zu erleichtern.

Durch Kamloops sind wird quasi nur durchgefahren und haben uns direkt zum Paul Lake Provincal Park begeben. Hier erwartete uns eine Selbstregistrierung am Campground und direkt die Warnung, dass wir uns hier in Bärengebiet befinden würden. Es soll wohl einen Schwarzbären in der Gegend geben.

Bären als Nachbarn...

Ein kurzer Blick auf das GPS verkündet den einen oder anderen Cache in Schlagreichweite und so ziehen wir noch einmal los. Antje gibt zuerst auf und geht zurück zum Auto. Mit den Jungs gehe ich noch ein Stück – allerdings wohl den falschen Weg. Wir kommen dem Cache nicht wirklich nahe und ich will hier auch nicht quer durchs Unterholz stapfen. Also gehen wir wieder zurück.

Doch zufrieden bin ich nicht. Alleine mache ich mich noch mal auf die Suche, nehme diesmal einen anderen Weg, finde den ersten Cache und gehe weiter zum Gibraltar Rock – einem Aussichtsfelsen hoch über dem Paul Lake. Auch hier liegt eine Dose. Da es anfängt zu dämmern, trete ich den Rückweg an.

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